STAR-CLUB HAMBURG aus der Sicht der Medien

Beim Abschied wurde kein letzter Walzer gespielt. Auf dem Hamburger Kiez herrscht ein anderer Ton. Auch am Silvesterabend 1969, als das Rock-Duo Hardin & York beim letzten Konzert im Star-Club mit einer 25-minütigen Version aus den Beatles-Hits "Lady Madonna" und "Norwegian Wood" das Abschiedsrequiem für den weltbekannten Musiktempel auf der Reeperbahn lieferte. Tränen, Wut und Wehmut mischten sich unter die Abschiedsklänge. "Ihr werdet noch an den Star-Club denken", schrie Kuno Dreysse, einer der letzten Betreiber, dem Publikum entgegen. Damals noch in der Band Rivets.

Wie Recht der Rivets-Bassist behalten sollte. Eine besondere Ära war für immer vorbei. Doch selbst 50 Jahren nach der Schließung hat der Star-Club wenig von seinem Ruhm verloren. An der Großen Freiheit selbst deutet heute wenig auf die Vergangenheit des berühmten Hauses Nr. 39 hin. Seit dem Abriss nach einem Brand und dem Neuaufbau 1983 herrscht hier die nackte Realität von St. Pauli. Hinter der roten Klinkerfassade verbergen sich ein Etablissement für "Thai-Girls", eine "Star-Treff"-Kneipe, wo die Flasche Sekt mit 150 Mark abkassiert wird sowie ein "Rock-Café" und Museum im tristen Hinterhof. Nur eine schwarze Steintafel mit dem Star-Club-Schriftzug und einem Hendrix-Profil erinnert an alte und bessere Zeiten.

Der fünfzackige Stern mit der geschwungenen Leuchtschrift ist Markenzeichen geblieben. Der Star-Club ist so bekannt wie der Cavern-Club in Liverpool, einst Heimat der Beatles. Der Kult um das Mekka der Beat-Generation an der Elbe hält an. Die Geschichte des Star-Clubs wird im Internet ebenso dokumentiert wie in Büchern und auf Tonträgern. Leider immer wieder falsch dokumentiert von "Besserwissern",welche den Club selten oder nie besucht haben. Auch 3 Bücher der gesamt 5 sind teils mit erfundenen Geschichten gefüllt. Die Schallplattenrechte liegen heute beim Multikonzern Universal Records, ebenso die Merchandise-Rechte, die an die Hamburger Firma K&K lizensiert sind. Das Geschäft mit der Nostalgie lebt, wenn auch "nicht so gewaltig, wie einige ewig Gestrige denken", versichert der Hamburger Musiker und Inhaber von K&K, Ulf Krüger, die im Internet unter www.kkbeatlesphotos.com und früher als realer Laden im Laufgraben 16 die Fans bedienten. Der Stern,Markenzeichen vom Club,ist nun nicht mehr mit dem Copyright geschützt,da die Frist von 50 Jahren erreicht wurde.

Die Star-Club-Geschichte begann weit vor Internet und E-Mail. Mit einem Anruf in der "Jacaranda Coffee Bar" in Liverpool brachte Bruno Koschmider im Sommer 1960 alles ins Rollen. Der frühere Zirkusartist wollte die Lokalhelden Brian & The Casanovas verpflichten. Ende 1959 hatte er an der Ecke Große Freiheit/Schmuckstraße mit dem "Kaiserkeller" Hamburgs ersten Rock-'n'-Roll-Club eröffnet. Die Casanovas waren auf Tour, so dass der Jacaranda-Besitzer Alan Williams seinem Hamburger Kollegen andere Gruppen unterjubelte. Eine der ersten Bands aus Liverpool, die über den Kanal reisten, waren die Beatles. "Hamburg war eine harte Schule", bestätigte John Lennon später. "Um die Deutschen auf die Beine zu kriegen und das zwölf Stunden durchzuhalten, dafür mussten wir uns mächtig ins Zeug legen. Das war die beste Schule für alle Bands."

Die Beatles hatten seit Frühjahr 1960 die Hamburger im Sturm erobert und waren die Stars bei der Eröffnung des Star-Clubs am 13. April 1962. Großspurig hatte Manfred Weißleder ein Plakat mit kernigen Sprüchen drucken lassen: "Die Not hat ein Ende! Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei!" Weißleders Auftreten hatte den Kiez verändert. Nur mit einem Handkoffer traf der gelernte Flugzeugelektromechaniker Mitte der Fünfzigerjahre aus Dortmund in Hamburg ein. Ein Jahr später besaß er ein Dutzend Striplokale, die er verpachtete und das Haus an der Großen Freiheit Nr. 39 kaufte.

Das ehemalige Stern-Kino avancierte nach dem Umbau zum größten Musiktempel jener Tage. Über Jahre gaben sich die Stars die Klinke in die Hand: Beatles, Little Richard, Gene Vincent, Ray Charles, Chuck Berry, Jimi Hendrix, Bill Haley, Cream. Eine endlose Liste. Als erste deutsche Band traten die Rattles auf. "Manchmal spielten acht Bands an einem Abend", erinnert sich Astrid Kirchherr, Beatles-Fotografin und -Freundin. "Jede Stunde eine Band, ohne Pause, der Wechsel dauerte nur fünf Minuten. Nach ihren Auftritten mischten sich die Musiker unters Publikum. Wir brauchten keinen Backstagepass, um die Stars zu treffen." Viele Fotos davon und um die Bands wurden damals gemacht vom Club-Fotograf Günter Zint, später auch Ulf Krüger und Robert Günther

Weissleder galt als fairer Geschäftsmann, dessen Wort in den USA und England bei Musikern und Managern viel Wert war. Und er war clever. Geschickt sicherte er sich finanzielle Unterstützung durch die US Army, die angeblich die Flüge der US-Stars sponserte - schließlich traten die Jungs auch in den Militärstationen in Süddeutschland auf. Doch der Star-Club-Boss vernahm auch frühzeitig Misstöne. Ab 1963 gab es in Person von Amtmann Falck, genannt der "eiserne Besen von St. Pauli", immer wieder Ärger mit dem Ordnungsamt Hamburg-Mitte. Weißleder stand auf der Abschussliste. Der Frust nahm zu, die Stars blieben weg, die Fans waren enttäuscht. Im September 1967 hörte der Mann, den sie als "deutschen Brian Epstein" feierten, ganz auf. 1980 starb Manfred Weißleder an Herzversagen.

Der Niedergang des Star-Clubs war nicht aufzuhalten. Der Club war ein Kind seiner Zeit. Was drei junge Musiker partout nicht glauben wollten. Achim Reichel und Frank Dostal von den Rattles sowie Kuno Dreysse starteten den letzten Rettungsversuch. "Wir waren Idealisten", meint Kuno rückblickend. Als Moderator der TV-Serie "Kuno's" hat er auf "Hamburg 1" die Star-Club-Story aufgearbeitet. "Wir mussten als letzte Pächter den Namen aus goldenen Zeiten teuer bezahlen", erzählt Reichel.

1969 waren die Tage des Star-Clubs endgültig gezählt. Sieben Jahre dauerte die kurze Freiheit der Beatmusik. Discos waren der neue Renner, es begann die Ära der "Grünspans". Auch Horst Fascher`s (Kellner der 1.Stunde im Original-Club) Star-Club-Neueröffnung 1980 am Großneumarkt scheiterte konzeptionslos und kläglich. "Was ich als kleiner Rock-'n'-Roll-Fuzzi gespart hatte, das war nach der Star-Club-Ära weg", resümiert Achim Reichel. Seinen beiden Partnern ging es nicht besser. "Der Club war zuletzt eine Bruchbude", erzählt Kuno. "Im Winter war es eisig kalt. Wir hatten keine gastronomischen Erfahrungen. Wir waren recht naiv. Doch wir denken noch immer an die tolle Star-Club-Zeit."  ---Hamburg,1970---

 

STAR-CLUB HAMBURG aus der Sicht vom Wikipedia

Der Star-Club war ein Musikclub im Hamburger Stadtteil St. Pauli, der am 13. April 1962 eröffnet und am 31. Dezember 1969 geschlossen wurde. Die Adresse war Große Freiheit 39. Bekannt wurde der Club vor allem durch die Auftritte der Beatles, aber auch anderer bekannter Künstler.

Vor der Gründung des Star-Clubs befand sich an dieser Adresse das von Manfred Weissleder betriebene Stern-Kino. Auf Vorschlag des Musikpromoters Horst Fascher wurde dieses zu einem Musikclub umgestaltet. Die Räume des Kinos einschließlich Eingang und Balkon wurden nur wenig umgebaut. Das Gebäude stand direkt neben dem Grundstück der barocken St.-Josephs-Kirche. Betrieben wurde der Star-Club vom Gründer Manfred Weissleder; Geschäftsführer war Hans Bunkenburg, danach Horst Fascher nach seiner Kellner-Tätigkeit. In den sieben Jahren seines Bestehens gastierten viele bekannte Größen der Rockmusik im Star-Club. Danach zog das Erotik-Nachtlokal Salambo ein. Das Gebäude, das nach einem Brand 1983 brachlag, wurde schließlich 1987 abgerissen.

Im Club gastierten Künstler wie The Searchers, The Liverbirds, King Size Taylor a.t.Dominoes,Chris Andrews Johnny Kidd & the Pirates, The Undertakers, Bill Haley, Chuck Berry, Little Richard, Jimi Hendrix, The Rivets, Screaming Lord Sutch, Gene Vincent, Gerry & the Pacemakers, Cream, Ray Charles, Fats Domino, The Remo Four, The Everly Brothers, Mino Reitano, Brenda Lee, Lee Curtis and the All-Stars, The Rattles, The Blizzards, Cisco and his Dynamites und Jerry Lee Lewis. Letzterer nahm dort 1964 sein Album Live at the Star-Club, Hamburg auf. Fast alle  Gruppen und Bands wurden von Manfred Weisleder und Rolf Moonen u.a. nach Hamburg geholt. 6 Gruppen holte sogar in den Anfangszeiten die "Bühnenmanagerin" Hilde Peters aus England in Co mit Fascher. Dieser widerrum war nur am Anfang dabei und im Bezug auf The Beatles sehr erfolgreich in Zusammenarbeit mit Weisleder !! Weltweite Berühmtheit erhielt der Star-Club vor allem durch die Gastspiele der Beatles, die dreimal in dem Club gastierten: Das erste siebenwöchige Gastspiel begann am 13. April 1962 und endete am 31. Mai 1962. Vom 1. bis zum 14. November 1962 gaben sie 28 Konzerte ihres zweiten Gastspiels. Das dritte Gastspiel dauerte vom 18. Dezember bis zum 31. Dezember 1962.

In einer ersten Phase (bis Juni 1964, als der Club wegen prügelnder Kellner von der Ordnungsbehörde geschlossen wurde und mit Hans Bunkenburg als neuem Geschäftsführer wieder eröffnete) traten allabendlich sieben Bands auf; jede spielte ein Konzert von einer Stunde. Zeitweise gab es auch gleichnamige Ableger in Berlin, Köln, Bielefeld, Bremen, Kiel, Flensburg, in denen dieselben Bands spielten. Bis Dezember 1965 warb eine eigene Zeitschrift Star Club News für die Konzerte. Im Februar 1969 begann die dritte Phase des Star-Club in Hamburg. Nun gestalteten Frank Dostal, Achim Reichel und Kuno Dreysse das Programm. In der Hauptsache spielten Prog-Rock-Bands wie The Nice, Spooky Tooth, Taste, Yes, Colosseum, East of Eden, Vanilla Fudge, Gun, Steamhammer, Black Sabbath (noch als The Earth), aber auch The Easybeats, Richie Havens, Ohio Express, Bandwagon und The Tremeloes. Allerdings blieb werktags häufig das Publikum aus; die Gage der Groundhogs konnte nicht mehr bezahlt werden. Das letzte Konzert am Tag der Schließung, dem 31. Dezember 1969, gaben Hardin & York.

Günter Zint, der zwischen 1964 und 1969 auch als Fotograf im Club arbeitete, und sein St.-Pauli-Museum haben einen Gedenkstein auf dem früheren Star-Club-Gelände aufstellen lassen. Dieser Stein enthielt zunächst zwei Fehler: The Who sind nie im Star-Club aufgetreten, waren aber als Gäste im Club; der übereifrige Steinmetz hatte bei der Gestaltung des Steines seine Lieblingsgruppe mit eingraviert. Jimi Hendrix wurde auf der Stele als „Jimmy Hendrix“ aufgeführt. Diese beiden Fehler wurden mittlerweile beseitigt. So ist Jimi Hendrix nun in der richtigen Schreibweise vorzufinden, und anstatt The Who wurden The Rivets verewigt. Bei der stilisierten E-Gitarre, die vom Star-Club häufig als Ergänzung zum Logo abgebildet wurde (siehe Bild), handelt es sich um eine grafische Darstellung des Modells Saturn 63 des deutschen Gitarrenbauers Hopf, erstmals veröffentlicht im Jahr 1963.  

·         Dieter Beckmann, Klaus Martens: Star-Club. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, Auch über 50 Fotos vom Fotograf Robert Günther sowie 400 weitere. 

      Ulf Krüger: Star-Club – Der bekannteste Beat-Club der Welt / The Most Famous Beat-Club In The World (zweisprachig Deutsch/Englisch), Hannibal Verlag, Höfen 2010, ISBN 978-3-85445-329-1

Günter Zint, Klaus Martens: Große Freiheit 39. Vom Beat zum Bums, vom „Starclub“ zum „Salambo“. Heyne, München 1987  

 

WEB:  Commons: Star-Club – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Website starclub-hamburg.eu

Rockarchiv: Der Star-Club Hamburg

 

 
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